Die Digitalisierung wird mit Macht vorangetrieben. So schnell und intensiv, dass manch einer nicht mitkommt. Zum Glück gibt es Menschen, die helfen – ehrenamtlich und kostenlos. Mouse Mobil nennt sich die Gruppe.
Dass die Welt immer digitaler wird, unser Alltag, unser Leben, mag man nicht gut finden, aber man kommt nicht drum herum. Wer nicht damit aufgewachsen ist, den Umgang mit Handy, Tablet und all den immer wieder neuen Kommunikationsmitteln und -formen nicht selbstverständlich mitbekommt, ist oft überfordert und schnell abgehängt, außen vor.
Bereits vor 17 Jahren gab es in Bocholt beratende Hilfestellung für Seniorinnen und Senioren. „Es fing an mit PC’s“, sagt Mouse-Mobil-Mitglied Franz Klein-Vorholt. So entstand auch der Name. Seither hat sich viel getan, ist das Smartphone allgegenwärtig. Bei rund drei Viertel aller Beratungen der Gruppe ist es Gegenstand. Das vermutet man nicht, wo man inzwischen doch auch viele ältere Menschen sieht, die ein Handy nutzen – beim Einkaufen oder im Wartezimmer des Arztes. Tatsächlich aber nimmt die Anzahl der Ratsuchenden nicht ab, sondern im Gegenteil sogar zu. Verzeichnete Mouse mobil 2018 noch 218 von ihnen, so stieg die Zahl nach der Corona-Phase auf 318 im Jahr 2024 und 2025 sogar auf 420.
Immer wieder was Neues

Anerkennung vom Minister für beispielhaftes ehrenamtliches Engagement.
Ein Hintergrund: Man wird in rascher Folge mit immer neuen Begriffen konfrontiert, noch dazu englischsprachigen, die sich zumal älteren Menschen inhaltlich nicht einfach erschließen und die man sich nicht leicht merken kann. „Viele können mit Browser nichts anfangen“, sagt Burkhard Jocks, ebenfalls einer des 13 Mitglieder zählenden Mouse-Mobil-Teams. Und dann hört oder liest man immer wieder von neuen Apps, wird von Anbietern mit neuer Technik umworben. Helfen können die Jüngeren, Kinder und Enkelkinder. Die haben indes nicht immer Zeit und nicht immer die nötige Geduld, das zu erklären, was für sie simpel und selbstverständlich ist. Ähnlich ist das im Handy-Laden.
Aber man möchte ja telefonieren können, Fotos verschicken und zur WhatsApp-Gruppe dazugehören. Und man kommt vielfach nicht umhin: Homebanking, Arzttermine ausmachen per Doctolib, elektronische Patientenakte, digitaler Ausweis, Deutschland-Ticket – „manche fühlen sich getrieben“, sagt Berater Stefan Niehuis.
Und dann gibt es Menschen mit Unterstützungsbedarf, die hinsichtlich ihrer Fähigkeiten zu kommunizieren eingeschränkt sind und für die technische Hilfsmittel zur Verständigung von großer Bedeutung sind. Auch da steht Mouse Mobil hilfreich zur Seite.
Individuell und persönlich
Man kann Kurse besuchen, die allgemeines Wissen vermitteln. Die Beratung der Leute von Mouse Mobil ist mehr, sie ist persönlich, geht auf konkrete individuelle Anforderungen ein. Und das mit Geduld. „Es gibt manche, die immer wieder zu uns kommen“, sagt Stefan Niehuis. Dienstags zwischen 10 und 11.30 Uhr im Seniorenheim Apollonia-Diepenbrock-Haus an der Moltkestraße 4 sowie donnerstags von 15.30 bis 17 Uhr im Nebenraum des Foyers der Stadtsparkasse am Neutorplatz haben die Helferinnen und Helfer von Mouse Mobil ein offenes Ohr. Anmelden muss man sich nicht. Und: Der Austausch findet völlig „undigital“ statt.
Dass unter den Ratsuchenden „von 60 plus bis über 90“ (Franz Klein-Vorholt) mehr Frauen als Männer sind, hat sicherlich verschiedene Gründe. In der Mouse-Mobil-Gruppe ist es umgekehrt. Ganz gleich ob Mann oder Frau: Die hilfreichen Ratgeberinnen und Ratgeber freuen sich, wenn sie mehr werden. Angesichts der großen Nachfrage wäre es gut, wenn sich zwei oder drei Unterstützer/innen fänden – für ein wertvolles ehrenamtliches Engagement, das dazu beiträgt, Mitmenschen wichtige Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander zu ermöglichen.
Wer dazu beitragen möchte, kommt in eine der Sprechstunden oder wendet sich an Sarah Bußmann im Seniorenbüro der Stadt Bocholt, Tel. 02871/953-2342.
Das Foto zeigt vier der Mouse-Mobil-Mitglieder: Stefan Niehuis, Andreas Heitkamp, Franz Klein-Vorholt und Burkhard Jocks (von links). jf / Foto: jf

