Sehen. Helfen. Handeln – Aus drei kurzen Worten besteht der Name des Vereins, der damit deutlich macht, um was es ihm geht: Seine Mitglieder wollen hinschauen, anpacken und einen aktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Miteinander leisten.
Sieben im karitativen Bereich engagierte Personen haben den Verein 2013 gegründet. Sie richteten eine Telefonbrücke für Seniorinnen und Senioren ein, die nur wenige Kontakte hatten, um ihnen Gesprächsmöglichkeiten zu bieten, zuzuhören, Tipps zu geben. In der Zeitung und mit Flyern, die in Arztpraxen oder Apotheken auslagen, machten sie auf ihre Initiative aufmerksam. Doch die Sache war schwieriger als gedacht. Die älteren Menschen, an die sich das Angebot richtete, trauten sich oft nicht anzurufen oder ihre Hörfähigkeit war so eingeschränkt, dass ein Telefongespräch kaum möglich war. Im Sommer 2021 wurde das Projekt eingestellt.
Erzählfreundschaften
Das ehrenamtlich engagierte Team aber blieb beisammen. Seine Mitglieder trafen sich ab und an zu einem „Denk-Café“, um sich weiter mit dem Thema Einsamkeit im Alter zu beschäftigen und Ideen zu sammeln, wie man ihr begegnen kann. Eine davon führte zu einem neuen Projekt, den „Erzählfreundschaften“, das mit einem wöchentlichen festen persönlichen Kontakt verbunden war. „Da sind zum Teil wirklich richtige Freundschaften entstanden“, sagt die Vereinsvorsitzende Hildegard Frieling-Heipel (auf dem Foto, rechts, mit einem Teil der aktiven Vereinsmitglieder).
Im Sommer 2023 entstand in Lowick das Projekt „Singen tut der Seele gut“. Seither wird an jedem letzten Dienstag im Monat im Pfarrheim St. Bernhard gesungen. Die gute Resonanz zeigt, dass gemeinsames Singen viel Freude macht.
Das Vorhaben, eine Allianz gegen die Einsamkeit zu gründen, wurde zunächst durch die Pandemie verhindert, dann aber wieder aufgegriffen. Die Arbeitsgruppe Pflege und Gesundheit des Seniorenbeirats unterstützte den Verein, der gemeinsam mit dem Seniorenbüro der Stadt und deren Stabsstellen für Demografie, Soziale Planung, Quartiersentwicklung und Integration die Umsetzung in Angriff nahm. Daraus entstand die Initiative „Gemeinsam in Bocholt“. Einsamkeit als ihr zentrales Thema ist eine zunehmende Problematik, die auch junge Menschen einschließt.
Eine Bank zum Plaudern
In diese Initiative brachte der Verein „Sehen.Helfen.Handeln“, der sich weiterhin vorrangig für Seniorinnen und Senioren als Zielgruppe engagiert, sein Projekt Plauderbank ein. Ein Muster dafür lieferten andere Städte, insbesondere Warendorf. Von den dortigen Erfahrungen profitierte der Bocholter Verein. Grundidee ist, einen für jedermann zugänglichen Kommunikationsort anzubieten, eben eine Bank, auf die man sich einfach dazusetzen, erzählen und zuhören kann.
Seit Mai vergangenen Jahres dient eine der Bänke an der Ecke Weberstraße/Schonenberg als Plauderbank. In wöchentlichem Rhythmus nimmt dort ein ehrenamtliches Vereinsmitglied zu einer festen Zeit Platz und freut sich über Gesprächspartner oder -partnerinnen. Kissen und eine sogenannte mobile Beachflag (ein Mast mit einer Art Fahne) zeigen an, wann Zeit zum Plaudern ist. Bis das bei günstigerer Witterung zum Frühjahr wieder möglich ist, befindet sich die Plauderbank in den Räumen der Freiwilligen-Agentur an der Langenbergstraße 18 im Winterquartier. Dort kann mittwochs von 14.30 Uhr bis 16 Uhr geplaudert werden.
Der Verein, mittlerweile durch vier weitere Ehrenamtliche unterstützt, sorgt dafür, dass seine „Bankfachleute“ für ihre Aufgabe geschult werden. Bei den Schulungen fließen die praktischen Erfahrungen ein.
Sehnsucht nach Kontakten
Die Resonanz sei bislang „sehr positiv“, sagt Hildegard Frieling-Heipel. Manche der von ihr so bezeichneten Gäste suchen die Plauderbank gezielt auf, andere, die etwa gerade mit dem Rad vorbeifahren und aufmerksam werden, kommen spontan. Es sind wohl auch mal Jüngere dabei, hauptsächlich aber ältere Menschen.
„Ich habe heute noch mit niemandem gesprochen“, höre sie häufiger, sagt die Vereinsvorsitzende. Eine „Sehnsucht nach Kontakten“, stellt sie fest und auch eine „gewisse Hilflosigkeit, etwas zu erzählen“. Besonders gerne sprechen die älteren Plauderbänkler über Themen aus der Bocholter Vergangenheit. Manche haben das Bedürfnis, den Kontakt regelmäßig fortzusetzen. Zum erforderlichen Geschick der Vereinsmitglieder als Gesprächspartner/-innen gehört auch, dafür zu sorgen, dass die Plauderbank möglichst Vielen zur Verfügung steht. Die Vernetzung mit Quartieren und sozialen Einrichtungen ermöglicht es dem Verein, den Besucherinnen und Besuchern der Plauderbank andere Kontaktmöglichkeiten in ihrem jeweiligen Wohnumfeld aufzuzeigen.
„Wir sind in einer Experimentierphase“, sagt Hildegard Frieling-Heipel zur Zukunft des Modells Plauderbank. Die Entwicklung hänge – wie auch bei den Erzählfreundschaften – auch davon ab, inwieweit es gelinge, weitere Ehrenamtliche zu finden. Wer Interesse hat, meldet sich bei ihr unter Tel. 0171-7854618 oder E-Mail shh.boh@gmail.com.

